Die Geschichte von den „2G“

Newsletter #6

Haben Sie eigentlich schon einmal darüber nachgedacht, warum es besser sein soll, dass Geimpfte und Genesene sich frei und ohne weitere Kontroll- oder Schutzmassnahmen in einem Restaurant oder einem anderen Raum aufhalten und bewegen dürfen, während Getesteten dies verboten wird? Also, ich meine, wirklich gefragt, worin die vermeintliche Logik dieser Regelungen bestehen soll?

Wahrscheinlich würden Sie mir jetzt antworten: Na, ist doch klar, die Geimpften und Genesenen sollen vor dem Virus geschützt werden. Aha, sage ich dann, aber ist das wirklich logisch?

Einmal davon abgesehen, dass Geimpfte und Genesene aufgrund ihres Immunstatus eigentlich bereits geschützt sein sollten und der Schutz vor einem negativ Getesteten ein Widerspruch in sich ist  – schauen wir doch wie immer erst einmal nach, was es dazu so zu wissen gibt.

Zunächst einmal: Was bewirkt denn nun die Impfung gegen das Corona-Virus SARSCOV-2? Die ursprüngliche Idee einer bevölkerungsweiten Impfung bestand darin, mit diesem Eingriff die Verbreitung des Virus zu unterbrechen und eine Erkrankung der Menschen zu verhindern; so wurde es zumindest noch im November und Dezember des Jahres 2020 von vielen politischen Akteuren formuliert und in den Medien in jeder Spielart wiederholt. Wenn wir erst mal den Impfstoff haben, dann ist die Pandemie so gut wie besiegt; das war der Tenor, mit dem alle Bedenken vom Tisch gewischt wurden. 

Wie ist die Lage?

Heute, ein knappes Jahr und mehr als 100 Millionen verabreichte Impfdosen später, ist von dieser Aussage nichts mehr übrig. Im Gegenteil: Wir wissen, dass Geimpfte sehr wohl das Virus empfangen und weitergeben können; bis hin zur Erkrankung, bis hin zur Notwendigkeit einer stationären Behandlung. Dieses Thema werde ich in einem anderen Beitrag noch detailliert aufgreifen.

Beide ursprünglichen Ziele – die Unterbrechung der Weitergabe des Virus und die Verhinderung der Erkrankung – wurden also nicht erreicht; sie sind auch aus der täglichen Berichterstattung verschwunden und wurden mittlerweile durch die Formel: „Impfung sorgt für einen milderen Krankheitsverlauf“ ersetzt. Oder anders formuliert: Der Geimpfte, der sich mit anderen Geimpften in einem Raum aufhält, kann und wird als Träger des Virus wahrscheinlich andere Geimpfte infizieren, aber das ist dann nicht mehr so schlimm. 

Dann haben wir als nächstes noch die merkwürdige Gruppe der Genesenen. An dieser Stelle sei die Frage gestattet: Wer oder was ist eigentlich ein „Genesener“? Offensichtlich sollte es ein Mensch sein, der sich mit dem Virus infiziert hat, dann daran erkrankt ist und diese Erkrankung überstanden hat. In der Folge dieses Geschehens besitzt er also Antikörper gegen das Virus – oder soll sie besitzen. Aber wie lange ist man ein Genesener? Hier beginnt die nebelige Grauzone der Genesenen, in der niemand so wirklich weiß, bei welchem der Genesenen überhaupt ausreichend Antikörper wirksam und gegen welchen Typ des Virus diese gerichtet sind; ebensowenig, wie lange diese nach der überstandenen Infektion in welchem Ausmaß vorhanden sein könnten. Es wird eben weder getestet und schon gar nicht gemessen. Ist ein Genesener noch ausreichend mit Antikörpern versehen, wenn 3, 4 oder 6 Monate nach der Infektion vergangen sind? Niemand kann das im individuellen Fall, also der Einzelperson mit ihren individuellen Voraussetzungen, genau sagen. 

Nun lassen Sie uns noch kurz klären: Was ist denn ein Getesteter? Natürlich jemand, der in den letzten 48 Stunden einen Nachweis erworben hat, dass er nicht Träger des Virus ist. 

Halten wir noch einmal fest: Während ein Geimpfter das Virus tragen und übertragen könnte, ohne dass jemand davon weiß, ein Genesener vielleicht geschützt ist, vielleicht aber auch nicht und zu einem beliebigen Zeitpunkt ebenfalls als unwissentlicher Virusüberträger auftreten könnte, ist bei einem Getesteten ausgeschlossen, dass er zum Testzeitpunkt vom Virus im Sinne einer Infektion befallen ist oder diesen übertragen könnte.

Zusammengefasst haben wir im Restaurant also folgende Situation: Wir haben Geimpfte, die im Restaurant das Virus erhalten, es aber auch mitbringen könnten; eine Übertragung wäre demnach natürlich auch immer möglich. Weiter haben wir Genesene, die ebenfalls das Virus aufnehmen und übertragen könnten; sie haben zwar einen dem Geimpften per Verordnung gleichgestellten Immunstatus, könnten aber auch trotzdem erneut erkranken. Und wir haben Getestete, die zwar nicht in das Restaurant hinein dürfen, die aber mit hoher Sicherheit zu diesem Zeitpunkt keine Virusträger und -überträger sind; zumindest wurde diese Aussage bisher den negativen Testergebnissen zugebilligt.

Wer gefährdet hier nun eigentlich wen? Die Getesteten die Geimpften und Genesenen? Ganz sicher nicht. Die Geimpften und Genesenen sich gegenseitig? Ganz sicher und auf jeden Fall. Die Geimpften und Genesenen die Getesteten? Ganz sicher, da die Ersteren das Virus ohne jeden Test mit sich herum- und übertragen können. 

Wozu dient „2G“?

Worin besteht nun der Sinn von „2G“? Das ist für mich in der praktizierten Form nicht erkennbar. Es handelt sich hier offenbar um einen kollektiven Wahrnehmungsfehler; der Sinn von „2G“ kann nicht darin bestehen, die Geimpften und Genesenen vor den Getesteten zu schützen. Das ist der Widersinn an sich.

Medial und politisch wird dieser objektive Sachverhalt jedoch in sein Gegenteil verkehrt; statt den Getesteten die Wahl zu lassen, ob sie sich der Gefahr eines gemeinsamen Aufenthaltes in einem Raum mit nicht getesteten Geimpften und Genesenen aussetzen wollen, werden sie von vornherein, unter Umkehrung von Ursache und Wirkung, ausgeschlossen; zum vermeintlichen Schutz von Geimpften und Genesenen, die doch eigentlich bereits durch Impfung oder überstandene Erkrankung geschützt sein sollten. 

Die ständige mediale Wiederholung dieses unlogischen Mantras hat vielfältige Konsequenzen, bis hin zur eilfertigen Anschuldigung des ungeimpften, aber im Zwei-Tages-Rhythmus getesteten Pflegepersonals durch den zuständigen Geschäftsführer, an einem „Corona-Ausbruch“ in einem Pflegeheim schuldig zu sein, in dem über 90 % der Bewohner geimpft sind; oder der Festlegung des Ärztlichen Direktors der Frankfurter Universitätsklinik, Medizinstudenten zum vermeintlichen Schutz der Patienten nur noch als Geimpften und Genesenen Zutritt zur Unterrichtung am Krankenbett zu gewähren; als ob die Übertragung des Virus durch die zwar ungeimpften, aber aktuell getesteten  Pflegekräfte oder Studenten wahrscheinlicher wäre als die Möglichkeit, eine Virusübertragung durch nicht getestete, aber sehr wohl als Überträger in Frage kommende Geimpfte und Genesene zu erleben. 

In der Konsequenz all dessen bin ich für die Einführung von „1G“ wie „Getestete“; der gleichen Berechtigung des Zuganges für alle Getestete; und nur diese. Denn nur die aktuelle Testung und das Wissen daraus, dass jemand zum gegebenen Zeitpunkt kein Virusträger und -überträger ist, führt zu der Sicherheit, die in Restaurants, Konzertsälen und letztlich allen geschlossenen Räumen angestrebt werden sollte. Die Impfung oder die Erkrankung selbst erreichen dies nicht. Und damit weder „2G“ noch deren ebenfalls unsinnige Schwester „3G“.

6 Antworten auf „Die Geschichte von den „2G““

  1. Lieber Herr Dr. Krakor,

    Vielen Dank für diesen sehr interessanten Artikel. Ihr Artikel bestärkt mich, keine Impfung zuzulassen. Bleiben Sie gesund.
    Viele Grüße
    Kerstin Lucask

  2. Hallo Ralf,

    Danke für den sehr gut geschriebenen Artikel. Du sprichst mir aus dem Herzen und ich sehe die Situation genauso. Ich glaube jeder logisch und normal denkende Mensch sieht dies ebenfalls so. Deshalb stelle ich hier die Frage: Sind die Entscheidungsträger dieser Regelung noch Gesund? Und warum sagt niemand, was der wahre Grund dieser Regelungen sein soll. Als ehemals Erkrankter aber nicht Genesener, denn als Genesener gilt man ja nur, wenn man einen Nachweis hat, dass man mit dem Virus SARS-COV-2 infiziert war und wenn man sich hat impfen lassen – mindestens 1 mal – aber dann auch nur für 6 Monate. D.h. Jeder sogenannte Genesene gilt dies nur für 6 Monate nach der überstandenen Krankheit und seiner Impfung. Und bei Geimpften gilt der Status ja nur ein Jahr. Ich weiß garnicht, ob bei den Kontrollen im Restaurant darauf geachtet wird.
    Aber betrachtet man die Sache von der Seite der Ungeimpften, so ist eine 2G Regelung doch super. Wir werden nämlich geschützt vor den potentiellen Virusträgern. Und die Infektionszahlen der Geimpften und Genesenen nehmen ja stetig zu. Das wird noch ein „schönes „ Erwachen der Verantwortlichen, wenn durch 2G nur noch Genesene und Geimpfte in den Krankenhäusern eingewiesen werden.

    Warten wir mal was da noch kommt. Solange machen wir es uns zu Hause gemütlich bei einer schönen Flasche Wein und genießen die Freiheit unsere Kochkünste verbessern zu dürfen. Auf jeden Fall wird sich demnächst noch einiges Ändern. Da bin ich mir sicher.

    Liebe Grüße Henning

    1. Lieber Henning,
      selbst im besten Fall wird derzeit offiziell die Impfwirksamkeit mit 85% angegeben. Bedeutet bei 55 Mio zweifach Geimpften, dass mindestens 8 Mio nur glauben, sie hätten eine Impfwirkung und sich in vermeintlicher Sicherheit wiegen. LG Ralf

  3. Ihr Artikel, lieber Herr Krakor, zeugt von bewundernswürdiger Logik. Und dann der Blattschuss: die 1-G-Regel! Sehr gern habe ich diesen Beitrag an Freunde und Kollegen weitergeleitet. Sicher werden noch andere folgen.
    Freue mich zu hören, dass Sie in Leipzig Medizin studiert haben. Bis 1979 hatte ich dort für die Vorklinik die Biologie gelesen. Könnte sich da unser Weg gekreuzt haben?
    Mit besten Grüßen
    Ihr Gerald Wolf

    1. Lieber Herr Wolf,
      vielen Dank für die freundlichen Worte. Leider hatte ich nicht das Vergnügen, Sie zu hören, da ich erst in den 80igern in Leipzig war. Aber es wäre sicher interessant gewesen, Ihre Biografie verspricht da so einiges.
      Herzliche Grüße,
      R. Krakor

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