Intensive Selbsttäuschung

Abbildung 1: in den zwei Wochen vor dem 21.11.2021 wurden 8.330 Patienten in ca. 480.000 Betten in Krankenhäusern der Bundesrepublik aufgenommen. Der Anteil beträgt 1,7% der Gesamtkapazität.
Abbildung 1: in den zwei Wochen vor dem 21.11.2021 wurden 8.330 Patienten in ca. 480.000 Betten in Krankenhäusern der Bundesrepublik aufgenommen. Der Anteil beträgt 1,7% der Gesamtkapazität.

In den letzten 14 Tagen vor dem 21.11.2021 wurden ca. 8.330 Menschen in den Krankenhäusern Deutschlands im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung aufgenommen. Dafür standen insgesamt 480.000 Betten in etwa 1.900 Krankenhäusern zur Verfügung; der Anteil der Covid-19-Aufnahmen an allen Betten betrug also etwa 1,7 %. Anders ausgedrückt: Bei Vollbelegung wären von 100 stationär behandelten Patienten 2 mit einer Covid-19-Erkrankung und 98 Patienten aus anderen Gründen im Krankenhaus (Abb. 1).

Etwa 5.860 der aufgenommenen Covid-19-Patienten oder etwa 70% waren älter als 60 Jahre. Diese Altersgruppe hat ein besonders hohes Risiko, auf einer Intensivstation behandelt werden zu müssen; daher gilt die Anzahl der verfügbaren Betten auf den Intensivstationen als gern genutzter Indikator für die Dramatik der Lage und die erstrebenswerte Qualität einer notwendigen Behandlung.

Abbildung 2: Am 21.11.2021 betrug die verfügbare Zahl der Betten auf den Intensivstationen insgesamt 21.986. Davon waren 3.565 Betten durch Patienten mit einer Erkrankung unter Beteiligung von Covid-19 belegt. Das entspricht 16,2% der verfügbaren Betten (Quelle: DIVI-Register).
Abbildung 2: Am 21.11.2021 betrug die verfügbare Zahl der Betten auf den Intensivstationen insgesamt 21.986. Davon waren 3.565 Betten durch Patienten mit einer Erkrankung unter Beteiligung von Covid-19 belegt. Das entspricht 16,2% der verfügbaren Betten (Quelle: DIVI-Register).

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) ist für das tägliche Zählen und Rapportieren der aktuellen Bettenzahl auf den Intensivstationen des Landes zuständig. 

In ihrem Bericht für den 20.11.21 gibt sie exakt 3.565 Patienten mit Covid-19 auf den Intensivstationen an (oder 16,2% der verfügbaren ITS-Betten), davon 1.813 beatmet (entspricht 51 % der Covid-19 Patienten auf den Intensivstationen).

Die Gesamtkapazität auf den Intensivstationen wird aktuell mit 21.986 belegbaren Betten angegeben, zusätzlich wird eine 7-Tage-Reserve von 9.307 Betten ausgewiesen; zusammen also über 30.000 Betten. Die Zahl der verfügbaren sog. High-Care-Plätze, welche ohne weitere Anstrengungen mit einer Beatmungsoption verbunden sind, beträgt derzeit 8.741 (Abb. 2).

Abbildung 3: Am 21.11.2021 betrug die Zahl der mit Beatmungsoption versehenen und verfügbaren sog. High-Care-Betten 8.741. Davon waren 1.813 durch Patienten im Zusammenhang mit Covid-19 belegt. Das entspricht 20,7% der High-Care-Betten (Quelle: DIVI-Register).
Abbildung 3: Am 21.11.2021 betrug die Zahl der mit Beatmungsoption versehenen und verfügbaren sog. High-Care-Betten 8.741. Davon waren 1.813 durch Patienten im Zusammenhang mit Covid-19 belegt. Das entspricht 20,7% der High-Care-Betten (Quelle: DIVI-Register).

Damit werden aktuell 16 % der verfügbaren Betten auf Intensivstationen mit Covid-19 Patienten belegt; oder anders ausgedrückt: von 100 Patienten auf den Intensivstationen des Landes sind 16 Patienten solche mit einer nachgewiesenen Covid-19-Infektion und 84 Patienten befinden sich dort aus anderen Gründen. Bei den beatmeten Covid-19-Patienten sieht es ähnlich aus: 1.813 Patienten entsprechen 20 % der verfügbaren Beatmungsplätze, also sind von 100 beatmeten Patienten 80 aus anderen Gründen als Covid-19 beatmet (Abb. 3). 

Begriffe wie „Triage“ machen wieder die Runde. Hintergrund dieser damit einhergehenden Darstellungen und Diskussionen ist – vereinfacht – die Idee, wir benötigten ausreichend viele Intensivbetten, um dann auch möglichst viele Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung zu retten.

Aber ist das überhaupt so? Wo stehen wir eigentlich in Deutschland mit unseren Ergebnissen? Ein Vergleich mit einigen anderen Ländern Europas und den USA bietet sich an.

 

Zahl der Intensivbetten und „Fallzahl“

 

Abbildung 4: Vergleich der Zahl der Betten auf den Intensivstationen verschiedener Ländern pro 100.000 Einwohner. Deutschland weist hier mit 33,9 Betten/100.000 Einwohner den höchsten Wert aller hier aufgeführten Länder aus (inkl. Reservebetten)
Abbildung 4: Vergleich der Zahl der Betten auf den Intensivstationen verschiedener Ländern pro 100.000 Einwohner. Deutschland weist hier mit 33,9 Betten/100.000 Einwohner den höchsten Wert aller hier aufgeführten Länder aus (inkl. Reservebetten)

In dem hier vorgenommenen Vergleich zeigt sich zunächst, dass Deutschland die höchste Zahl an Intensivbetten pro 100.000 Einwohnern aufweist (Abb. 4) Selbst wenn dieser Wert an die aktuelle Situation ohne Reserve angepasst wird, bewegt er sich mit etwa 26,5 pro 100.000 Einwohner noch immer im Bereich von Österreich und den USA. 

Zu jeder Zeit der letzten 20 Monate war die Betonung der Intensivkapazität als Basis der Aufrechterhaltung eines funktionierenden Gesundheitswesen präsent. Die Vorbeugung vor einer drohenden Überlastung des Gesundheitswesens war wesentliche Grundlage getroffener Entscheidungen.

Abbildung 5: Zahl positiver PCR-Tests bezogen auf 100.000 Einwohner. Deutschland hat hier den mit Abstand niedrigsten Wert.
Abbildung 5: Zahl positiver PCR-Tests bezogen auf 100.000 Einwohner. Deutschland hat hier den mit Abstand niedrigsten Wert.

Stand 21.11.2021 gab es ausweislich der Angaben des Robert-Koch-Institutes etwa 5,3 Millionen seit März 2020 registrierte Personen mit einem positiven PCR-Test. Das entspricht etwa 6% der deutschen Bevölkerung, wieder anders ausgedrückt: Von 100 Einwohnern Deutschlands haben in den letzten 20 Monaten 6 einen positiven PCR-Test bescheinigt bekommen, während dies bei 94 nicht der Fall war. Noch anders ausgedrückt: In den letzten 20 Monaten wies von 100 Einwohnern etwa alle 3 Monate 1 Einwohner einen positiven PCR-Test auf.

Bezogen auf 100.000 Einwohner sind das innerhalb dieser 20 Monate etwa 6.450 „Fälle“. Im Vergleich mit anderen Ländern zeigt sich deutlich, dass diese „Fallzahlen“ die geringsten sind, die registriert wurden (Abb. 5). Die höchste Zahl positiver Testergebnisse fand sich in den USA mit mehr als 14.000 „Fällen“ pro 100.000 Einwohnern.

Abbildung 6: Bei der höchsten Zahl von ITS-Betten und der geringsten „Fallzahl“ bezogen auf 100.000 Einwohner (siehe Abb. 5) weist Deutschland die geringste Zahl an Einwohnern mit positivem PCR-Test pro Bett auf einer Intensivstation auf. Da nur ein geringer Bruchteil dieser „Fälle“ ein solches in Anspruch nehmen muss, besteht hier kein Hinweis auf eine Unterversorgung im Sinne eines hoch qualifizierten medizinischen Betreuungsangebotes.
Abbildung 6: Bei der höchsten Zahl von ITS-Betten und der geringsten „Fallzahl“ bezogen auf 100.000 Einwohner (siehe Abb. 5) weist Deutschland die geringste Zahl an Einwohnern mit positivem PCR-Test pro Bett auf einer Intensivstation auf. Da nur ein geringer Bruchteil dieser „Fälle“ ein solches in Anspruch nehmen muss, besteht hier kein Hinweis auf eine Unterversorgung im Sinne eines hoch qualifizierten medizinischen Betreuungsangebotes.

Deutschland weist also pro 100.000 Einwohnern die meisten Betten auf den Intensivstationen auf und die wenigsten Menschen mit einem positiven Testergebnis. Dies wäre nach offizieller Lesart nahezu ein Garant für einen möglichst großen Schutz der Bevölkerung vor den schlimmsten Folgen einer Covid-19-Erkrankung, insbesondere dem Versterben daran. Dies wird unterstrichen durch das daraus berechnete Verhältnis von etwa 187 „Fällen“ pro 1 Intensivbett in Deutschland in den letzten 20 Monaten; ein Wert, der in allen anderen Ländern deutlich ungünstiger ist (Abb. 6). In Dänemark lag dieser Wert etwa 5 mal und in Irland mehr als 11 mal so hoch.

Sterblichkeit nach Covid-19-Erkrankung

Mit Datum vom 21.11.2021 waren seit März 2020 in Deutschland 99.062 Menschen als „im Zusammenhang mit Covid-19 verstorben“ registriert. Etwa 65 % davon, nämlich 64.239, waren älter als 80 Jahre. Hinzu kommen 29.702 oder 30 % in der Altersgruppe zwischen 60 und 80 Jahre. Insgesamt waren also 93.941 von 99.062 Menschen oder 95 % der Verstorbenen älter als 60 Jahre. Wenn wir nun von den verbleibenden 5.221 Verstorbenen die 4.692 abziehen, die in der Altersgruppe zwischen 35 und 60 Jahren verstarben, wird deutlich, dass es kaum einen Grund gibt, einen möglichen tödlichen Ausgang einer Covid-19-Infektion bei Menschen zu dramatisieren, die jünger sind als 35 Jahre (Abb. 7). 

Abbildung 7: Aufteilung der seit März 2020 Verstorbenen im Zusammenhang mit Covid-19 nach Altersgruppen. Etwa zwei Drittel der Verstorbenen waren älter als 80 Jahre, etwa 95% älter als 60 Jahre. In der Gruppe der Patienten mit einem Alter < 35 Jahre starben 429 oder 0,4%. Bezogen auf alle Einwohner Deutschlands mit einem Alter bis 30 Lebensjahre verstarben in diesen 20 Monaten 0,0016% in einem Zusammenhang mit Covid-19 (Quelle: RKI-Dashboard).
Abbildung 7: Aufteilung der seit März 2020 Verstorbenen im Zusammenhang mit Covid-19 nach Altersgruppen. Etwa zwei Drittel der Verstorbenen waren älter als 80 Jahre, etwa 95% älter als 60 Jahre. In der Gruppe der Patienten mit einem Alter < 35 Jahre starben 429 oder 0,4%. Bezogen auf alle Einwohner Deutschlands mit einem Alter bis 30 Lebensjahre verstarben in diesen 20 Monaten 0,0016% in einem Zusammenhang mit Covid-19 (Quelle: RKI-Dashboard).

Die Verstorbenen insgesamt ergeben 1,9 % aller als „Fälle“ registrierten positiven PCR-Testergebnisse. Diese Sterblichkeit ist in dem hier vorgenommenen Vergleich die zweithöchste und wird nur von Italien mit 2,7 % übertroffen (Abb. 8). Alle anderen Länder weisen eine geringere Sterblichkeit auf mit den geringsten Werten für Dänemark und Irland mit 0,6 % und 1,1 %. Während also in Deutschland von 1.000 registrierten Menschen mit positiven Testergebnissen 19 verstarben, waren es in Österreich nur 12, in Irland 11 und in Dänemark nur 6. Zur Erinnerung: Während sich in Deutschland 187 „Fälle“ 1 Bett auf einer Intensivstation „teilen“, gilt dies für 970 „Fälle“ in Dänemark und mehr als 2000 „Fälle“ in Irland.

Bezogen auf 100 Verstorbene stand in Deutschland außerdem mit 22,3 Betten die höchste Kapazität auf Intensivstationen zur Verfügung, während es in Dänemark 16,2, in Spanien 5,2 und in Irland 4,5 Betten waren (Abb. 9).

Obwohl also Deutschland die höchste Zahl an Intensivbetten pro 100.000 Einwohner aufweist und für 100 Verstorbene statistisch den höchsten Aufwand bereitstellt, ist die Sterblichkeit höher als in zahlreichen anderen Ländern. Bei gleicher Sterblichkeit wie in Irland wären in den letzten 20 Monaten in Deutschland etwa 40.000 Menschen und bei gleicher Sterblichkeit wie in Dänemark wären in Deutschland etwa 67.000 Menschen weniger verstorben. Die Sterblichkeit in Frankreich betrug 1,6%. Eine Umrechnung auf Deutschland würde hier 14.000 weniger Verstorbene bedeuten; wobei Frankreich eine ähnliche Impfquote wie Deutschland aufweist.

Abbildung 8: Relative Sterblichkeit im Verhältnis zur Zahl positiver PCR-Tests. Deutschland weist trotz der höchsten Anzahl von ITS-Betten pro 100.000 Einwohner die zweithöchste Letalität nach Italien aus.
Abbildung 8: Relative Sterblichkeit im Verhältnis zur Zahl positiver PCR-Tests. Deutschland weist trotz der höchsten Anzahl von ITS-Betten pro 100.000 Einwohner die zweithöchste Letalität nach Italien aus.

Sterblichkeit nach Covid-19 und Gesamtsterblichkeit

In den letzten 20 Monaten sind in Deutschland insgesamt etwa 1,5 Millionen Menschen „regulär“ verstorben (es gab auch etwa genau so viele Geburten). Das sind etwa 1,81 % der Gesamtbevölkerung oder 181 Verstorbene auf 10.000 Einwohner in 20 Monaten. 

Alle 99.062 in diesem Zeitraum mit einem positiven PCR-Test registrierten Verstorbenen machen bezogen auf die Gesamtbevölkerung einen Anteil von 0,12 % aus. Anders ausgedrückt: Von 181 Verstorbenen pro 10.000 Einwohner in 20 Monaten sind 12 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19 verstorben, 169 Menschen verstarben in einem anderen Zusammenhang (Abb. 10).

Abbildung 10: Die Gesamtzahl der Verstorbenen in Deutschland beträgt seit März 2020 etwa 1,5 Mio Einwohner. Bezogen auf einen Verstorbenen im Zusammenhang mit Covid-19 verstarben 14 Menschen in einem anderen Zusammenhang.
Abbildung 10: Die Gesamtzahl der Verstorbenen in Deutschland beträgt seit März 2020 etwa 1,5 Mio Einwohner. Bezogen auf einen Verstorbenen im Zusammenhang mit Covid-19 verstarben 14 Menschen in einem anderen Zusammenhang.

Mit diesem Wert steht Deutschland deutlich besser da als die USA, Frankreich, Italien und Spanien. Nur Irland und sehr deutlich Dänemark wiesen hier bessere Werte auf (Abb. 11).

Abbildung 11: Anteil der Verstorbenen mit einem positiven PCR-Test an der Gesamtbevölkerung in den letzten 20 Monaten. Bei relativ geringer Fallzahl bezogen auf 100.000 Einwohner ist dieser Anteil in Deutschland kleiner als in mehreren anderen Staaten und entspricht etwa dem Wert von Irland, wobei hier diese Fallzahl etwa 1,5 mal größer als in Deutschland war. Dänemark weist hier einen etwa halb so großen Wert auf, obwohl die Fallzahl pro 100.000 Einwohner ebenfalls höher war als in Deutschland.
Abbildung 11: Anteil der Verstorbenen mit einem positiven PCR-Test an der Gesamtbevölkerung in den letzten 20 Monaten. Bei relativ geringer Fallzahl bezogen auf 100.000 Einwohner ist dieser Anteil in Deutschland kleiner als in mehreren anderen Staaten und entspricht etwa dem Wert von Irland, wobei hier diese Fallzahl etwa 1,5 mal größer als in Deutschland war. Dänemark weist hier einen etwa halb so großen Wert auf, obwohl die Fallzahl pro 100.000 Einwohner ebenfalls höher war als in Deutschland.

 

Fazit

Obwohl in Deutschland ein hoher Aufwand betrieben wird, ist die Sterblichkeit bei Menschen mit einem positiven PCR-Test bezogen auf die verfügbare Zahl von Betten auf Intensivstationen höher als in zahlreichen anderen Ländern, wo die Zahl dieser Betten viel niedriger ist.

Es mag dafür mehrere Ursachen geben, aber es ist falsch, den Menschen in unserem Land nahezulegen, dass die Verfügbarkeit von Plätzen auf den Intensivstationen das entscheidende Kriterium für den Umgang mit positiven Testergebnissen resp. „Fallzahlen“ ist. Die hohe Zahl älterer und insbesondere alter Menschen, die im Zusammenhang mit Covid-19 verstorben sind, zeigt deutlich, dass es vor allem das Alter, ein schlecht funktionierendes Immunsystem und zahlreiche begleitende Erkrankungen sind, die letztlich das Überleben einer solchen Infektion limitieren. 

Natürlich wissen das diejenigen, die auf den Intensivstationen arbeiten. Das ist der Hauptgrund, warum sie so vehement darauf drängen, dass eine notwendige Aufnahme dieser Patienten auf einer Intensivstation möglichst verhindert wird. Es wäre andererseits naiv davon auszugehen, dass diese Betten frei blieben, wenn es die Covid-19-Patienten nicht gäbe.  

Der größte Effekt wurde in Deutschland offensichtlich präventiv im Sinne der Vermeidung einer Virusübertragung an sich erreicht. Dies wird an der geringsten „Fallzahl“ pro 100.000 Einwohnern deutlich. Mit anderen Worten: Das Problem wiederholt auftretender Infektionen wird auf keinen Fall gelöst, wenn wir glauben, die Kapazität des Gesundheitswesens wäre das entscheidende Kriterium. Es ist die Banalität einfacher Maßnahmen wie Abstand, das Tragen einer Maske und die Hygiene, insbesondere das Hände waschen, welche uns gewinnen lassen. Leider sind diese auch bei anderen Infektionen nachweislich sinnvollen Ideen mit dem Glauben an einen vermeintlich durchschlagenden Impferfolg aufgegeben worden. 

Um es an dieser Stelle deutlich zu sagen: Impfen wirkt nicht präventiv. Impfung erzeugt im günstigsten Fall eine vorbereitete Immunantwort, und die kann erst wirksam werden, wenn ein Kontakt mit dem Erreger erfolgt. Impfung wirkt also erst dann, wenn die eigentliche Prävention versagt hat. 

Wenn wir schon seit einiger Zeit wissen, dass eine Übertragung des Virus auch einige wenige Monate nach einer Impfung durch Geimpfte wie nicht Geimpfte stattfindet und die angestrebte Impfwirkung über eine relativ kurze Zeit eine erhebliche Minderung aufweist, ist die alleinige Fixierung auf die Impfung als Pandemie-Verhinderer verbunden mit dem Signal „nach der Impfung ist alles gut“ höchst fatal. 

Obwohl schon Daten aus dem Frühsommer 2021 und neuere Untersuchungen eindeutig zeigen, dass der erzielbare Impfeffekt gegenüber der Delta-Variante des SARS-Cov2-Virus bei den bisher hauptsächlich verwendeten mRNA-Impfstoffen nach 3 bis 4 Monaten erheblich nachlässt,  hat sich die Strategie der politischen Entscheidungsträger nicht verändert. Da offenbar der entscheidende und nahezu einzig verbliebene Effekt der Impfung die mögliche Verminderung eines schweren Krankheitsverlaufes bei Risiko-Patienten ist, sollte auch hier der Diskussions- und Entscheidungsansatz liegen. Mehr dazu finden Sie hier.

Statt also vor allem bei älteren und alten Menschen darauf zu drängen, mittels rechtzeitiger Auffrischung zumindest die Schwere des Verlaufes einer Covid-19-Erkrankung zu vermindern, dafür Anstrengung und Kapazität zu investieren, die Bevölkerung ehrlich zu informieren und präventive Maßnahmen wieder einzufordern, wird weiter auf dem Prinzip des „alle müssen geimpft sein“ und solch fragwürdigen Konzepten wie „2G“ herumgeritten. 

Das war und ist in meinen Augen eine fatale und, wie sich gerade zeigt, höchst gefährliche Strategie. Was oder wem nützt es, wenn täglich festgestellt wird, irgendein Prozentsatz der sich gegenwärtig auf der Intensivstation befindlichen Patienten mit einer Covid-19-Erkrankung ist geimpft oder nicht geimpft? Wie die bisherigen Ergebnisse in Deutschland zeigen, wird es uns in zu vielen Fällen trotz der Beschwörung der deutschen intensivtherapeutischen Kompetenz nicht gelingen, deren Versterben zu verhindern, wenn sie erst einmal dort liegen, ob geimpft oder nicht. 

Die Schuldfrage mit dem Fingerzeig auf die Minderheit der aus verschiedenen Gründen nicht geimpften Einwohner Deutschlands zu klären, mag politisch opportun und medial wirksam sein. Hilfreich ist dieses Gebaren keinesfalls, da das entscheidende Problem des unzureichenden Immunstatus, der Multimorbidität und der Gefährdung der eigentlichen Risikogruppe, nämlich vor allem der Älteren und Alten, dadurch weder ausreichend wahrgenommen noch verbessert wird. 

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